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Kindergarten

Liebe
Mutter, lieber Vater
Ihr Kind kommt in den Kindergarten. Der Eintritt in den Kindergarten ist
vor allem für Ihr Kind, aber auch für Sie ein entscheidendes
Lebensereignis, welches eine starke Veränderung Ihres Alltags mit
sich bringt und starke Emotionen auslösen kann. Sie vertrauen Ihr
Kind der Obhut einer Kindergärtnerin, eines Kindergärtners an,
Ihr Kind muss sich in einer neuen Umgebung und mit einer vorerst fremden
Bezugsperson auseinandersetzen.
Fragen,
Antworten und Informationen rund um den Kindergarten sind Inhalt dieser
Broschüre. Mit der Bezeichnung "Kindergärtnerin" sind
auch männliche Kollegen eingeschlossen.
DIE
AUFGABEN DES KINDERGARTENS
Im Kindergarten soll jedes Kind ganzheitlich erfasst und zu einer
harmonischen Entwicklung geführt werden.
Hier findet es eine Umgebung vor, in der es spielen, entdecken und experimentieren
kann. Es sammelt eigene Erfahrungen, erweitert sein Wissen und eignet
sich bestimmte Tätigkeiten und Fertigkeiten an.
Zu den wichtigsten Aufgaben im Kindergarten gehören:
DAS SOZIALE LERNEN
Für viele Kinder ist der Kindergarten der Ort, wo zum ersten Mal
Erfahrungen im Umgang mit grösseren Gruppe gemacht werden können.
Sie lernen zum Beispiel zuhören, wenn andere sprechen; sie versuchen
bei Streitigkeiten, Lösungen zu finden, ohne gleich dreinzuschlagen
oder einfach nachzugeben; sie übernehmen Verantwortung, lernen aber
auch, eigene Bedürfnisse zugunsten anderer zurückzustellen.
DAS ENTDECKENDE LERNEN
Die Kinder lernen die Dinge ihrer Umwelt kennen, indem sie sie selber
entdecken und erfahren. Im Kindergarten stehen ihnen an verschiedenen
Spiel- und Arbeitsplätzen Materialien zur Verfügung, mit denen
sie umgehen, die sie verändern und gestalten können. So machen
sie zum Beispiel Erfahrungen im Experimentieren mit Bauklötzen: sie
verändern den Kindergartenraum, indem sie Nischen nach ihren eigenen
Vorstellungen einrichten, gestalten und bewohnen; sie lernen beim Bauen
und Werken, wie man mit verschiedenen Materialien umgeht und welche Techniken
man dabei am besten anwendet.
DAS LEBENSNAHE LERNEN
Der Kindergarten hilft dem Kind aber auch, seine Umwelt besser zu begreifen.
Die Kindergärtnerin nimmt Themen auf, die das Kind direkt betreffen
und beschäftigen wie zum Beispiel die Geburt eines Geschwisters,
der Kindergartenweg, die Familie, das selbständige Einkaufen im Laden.
Das Kind lernt dabei, mit Dingen umzugehen, denen es im täglichen
Leben immer wieder begegnet.
Damit der Kindergarten all diesen Aufgaben optimal gerecht werden kann,
ist ein gutes Zusammenwirken von Kindergärtnerin, Kind und Elternhaus
eine der wesentlichsten
Voraussetzungen.
DIE
ARBEITSWEISE IM KINDERGARTEN
Im Kindergarten wird meist themabezogen gearbeitet. Die Kindergärtnerin
wählt ein Thema nicht nach ihren eigenen Interessen aus, sondern
achtet darauf, was einzelne Kinder oder die ganze Gruppe zur Zeit gerade
beschäftigt. Dieses Thema wird über eine längere oder kürzere
Zeit behandelt. Das Interesse der Kindergruppe, sowie die Intensität
seiner Erlebnisse und Verarbeitungsbedürfnisse sind massgebend für
die Zeitdauer eines Themas.
GEFÜHRTE AKTIVITÄT
Damit
das Kind seinem Entwicklungsstand entsprechend gefördert werden kann,
sind die Arbeitsthemen im Kindergarten nach folgenden Schwerpunkten ausgerichtet:
Sozialerziehung
und Persönlichkeitsbildung
Sinn für Gemeinschaft entwickeln, eigene Stärken und Schwächen
entdecken und lernen mit ihnen umzugehen.
Sprachförderung
Gespräche führen und zuhören, Erlebnisse und Geschichten
erzählen. Integration von fremdsprachigen Kindern.
Umweltbeobachtung
und Sachbegegnung
Natur und ihre Abläufe beobachten und kennen lernen, logische Zusammenhänge
erkennen und begreifen.
Sinnesschulung
Dinge entdecken durch Sehen, Hören, Tasten, Riechen, Schmecken.
Musikalische
und rhythmische Förderung
Verschiedene Lieder kennen lernen und singen, Gefühl für Rhythmus
und Musik entwickeln.
Gestalten
und Werken
Verschiedene Gestaltungstechniken kennen lernen und anwenden, Ideen selber
verwirklichen.
Darstellendes
Spiel
Theaterspielen, fremde Rollen annehmen, mit Puppen Theater spielen.
Bewegungsschulung
Freude am Turnen, Hüpfen, Springen, Schwimmen wecken, Bewegungsabläufe
koordinieren und kennen lernen.
DIE FREIE AKTIVITÄT
Spielen
ist für Kinder lebenswichtig, um sich gesund entwickeln zu können.
Somit nimmt das Spiel im Kindergarten eine wichtige Rolle ein. Besonders
in der heutigen Zeit ist die bewusste Pflege des Spiels sehr wichtig,
um das Kind aus seiner Passivität zu locken.
Erlebtes, ob positiv oder negativ, kann es im Spiel verarbeiten. Das Kind
spielt was es sich wünscht, was es traurig macht, oder was es noch
nicht versteht. Ein spielendes Kind zeigt uns, was es beschäftigt
und was es in Worten gar nicht ausdrücken kann, denn beim Spielen
wird "Innerliches äusserlich sichtbar". ( F. Fröbel
)
Spielen
ist Lernen, aber auf kindgemässe Art.Das Kind sammelt Erfahrungen,
verarbeitet Umwelteindrücke und erweitert seinen Horizont. Es übt
unbewusst ernste Hingabe, Vertiefung einer Sache, Gemüts- und Phantasiekräfte;
es übt seine Sinne, seine Fingerfertigkeit, seine Geschicklichkeit
und die Beherrschung seines Körpers.
Das
Kind ist durch eigenen Antrieb tätig und kann im Kindergarten aus
dem reichhaltigen Angebot an Spielmöglichkeiten wählen und sie
nach eigenen Bedürfnissen ausschöpfen.
Es
darf sich zurückziehen, für sich sein, oder es kann im Spiel
neue Kontakte knüpfen.
Das
Spiel bildet das Fundament für eine harmonische Entfaltung.
INFORMATIONEN
Kindergartenbesuch
Jedes Kind ist berechtigt, während mindestens einem Jahr vor dem
Schuleintritt einen Kindergarten zu besuchen.
Der Besuch ist freiwillig. Der Eintritt soll auf Beginn des Kindergartenjahres
und der Besuch regelmässig erfolgen. (Kindergartengesetz Art. 4)
Elternkontakte
Die Beziehung zwischen dem Elternhaus und dem Kindergarten ist sehr wichtig
und gibt dem Kinde Sicherheit. Gute Kontakte erlauben den Austausch von
Informationen, die notwendig sind, auch schwierige Situationen zu meistern.
Bei Unklarheiten und Fragen ist die Kindergärtnerin gerne zu Gesprächen
bereit.
Respekt vor der Andersartigkeit
Elterliches Selbstbewusstsein bezüglich der eigenen Erziehung ist
angebracht. Genau so angebracht aber ist der Respekt vor der Andersartigkeit
der Kindergärtnerin, betreffe es ihre Person oder ihren Erziehungsstil.
Eltern sehen den Kindergarten oft zu sehr nur auf ihr eigenes Kind ausgerichtet.
Die Kindergärtnerin aber ist für alle Kinder da.
Eltern sind verantwortlich
Mütter und Väter sind verantwortlich für die Erziehung
ihrer Kinder. Daran ändert sich auch dann nichts, wenn die Kinder
in den Kindergarten kommen. Der Kindergarten hat den Auftrag, die Eltern
in ihren Erziehungsbestrebungen zu unterstützen und zu ergänzen.
Auf welche Weise dies geschieht, liegt im Verantwortungsbereich des Kindergartens.
Was muss die Kindergärtnerin wissen?
Bei allem guten Willen zur Zusammenarbeit wissen Eltern oft nicht recht,
welche Informationen für die Kindergärtnerin wichtig sind. Die
Kindergärtnerin will nicht aus Neugierde informiert sein. Es ist
ihr eher möglich, auf das einzelne Kind einzugehen, es zu fördern,
wenn sie seine Eigenart, seine Besonderheiten, vielleicht auch seine Schwächen
und Stärken und "Mödeli", kennt. Ist sie informiert
über die Familiensituation eines Kindes, kann sie sein Verhalten
besser verstehen und ihm das nötige Verständnis entgegen bringen.
Arbeitsweise
Der Kindergarten ist im Gegensatz zur Schule nicht leistungsorientiert,
das heisst, das Kindergartenkind wird nicht nach seiner Leistung bewertet:
Es gibt keine "guten" oder "schlechten" Kindergärtler.
Damit ist der Kindergarten eine Erziehungseinrichtung, in der Kinder nicht
in Kategorien eingeteilt und selektioniert werden. Jedes Kind hat Platz
im Kindergarten, ausser es ist schwer behindert oder es braucht eine spezielle
Förderung, das die Kindergärtnerin überfordern würde.
Die Kindergärtnerin
Im Kindergarten gibt es keinen Lehrplan, der eingehalten werden muss.
Ebensowenig gibt es Vorschriften bezüglich Themen-, Spielzeug- und
Materialienwahl. Die Kindergärtnerin ist weitgehend frei, im Rahmen
der festgelegten Budgets der Gemeinden ihren eigenen Kindergartenbetrieb
zu gestalten. Diese Freiheit gibt ihr einerseits die Möglichkeit,
auf die Bedürfnisse der Kinder zu reagieren, andererseits stellt
sie auch hohe Anforderungen an ihre Persönlichkeit und ihr Fachwissen.
Schulpsychologischer Dienst
Mit Einwilligung der Eltern ist der Schulpsychologe oder die Schulpsychologin
bei Problemen mit Kindern bereit zu beraten. Zum Wohle des betroffenen
Kindes ist die Zusammenarbeit zwischen Eltern, Schulpsychologe oder Schulpsychologin
und Kindergärtnerin hilfreich. Der schulpsychologische Dienst bietet,
wenn nötig, nach Abklärung verschiedene Therapieformen an.
Übertritt in die Schule
Die Schulreifeabklärung erfolgt im Frühjahr. Im Gespräch
mit den Eltern übernimmt die Kindergärtnerin eine beratende
Funktion und gemeinsam wird entschieden. In Grenzfällen kann der
Schulpsychologe oder die Schulpsychologin beim Abklären helfen.
Verkehrserziehung
Einmal im Jahr werden die Kinder von einem Polizisten besucht. Er bespricht
mit ihnen schwierige Situationen im Strassenverkehr und macht auch praktische Übungen auf der Strasse. Die Kinder werden für den Kindergartenweg
mit Leuchtgurten ausgerüstet.
Zahnpflege
In einigen Gemeinden findet jährlich einmal ein Zahnuntersuch durch
den Zahnarzt statt. Wenn möglich besucht zusätzlich eine Zahnpflegehelferin
den Kindergarten und bespricht mit den Kindern die Zahnpflege.
Über
weitere Regelungen in Ihrem Kindergarten erteilt Ihnen Ihre Kindergärtnerin
gerne Auskunft.
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